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Geburtsbericht – mein ungeplanter geplanter Kaiserschnitt

18/11/2020
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Mein Geburtsbericht und der ungeplante geplante Kaiserschnitt

Montag, der 02.11.2020 – SSW 37 + 1

Ich wachte morgens auf und spürte noch liegend im Bett wie ich unkontrolliert ein paar Tropfen verliere. Heute bin ich in der 37. Schwangerschaftswoche +1. Beim Gang auf die Toilette überprüfte ich direkt die Konsistenz und Farbe. Ist es der Schleimpfropf? Oder doch Fruchtwasser? Könnte es los gehen? Aber die Tropfen sahen nicht danach aus.

Über den Tag verlor ich dann immer wieder auffällig Tropfen, aber jetzt nicht so das es eindeutig die Fruchtblase war. Die Konsistenz war weder schleimig noch konnte ich es richtig zuordnen, es waren ja nur ein paar Tropfen. Es könnte auch die Blase sein. 

Ich googelte immer wieder danach wie ich erkennen kann um was es sich handeln könnte, überprüfe die Konsistenz, die Farbe und den Geruch. Wehen? Fehlanzeige! Der Bauch fühlte sich irgendwie komisch an, aber jetzt auch kein Grund zur Beunruhigung. Ich erklärte es mir ganz einfach durch die fortschreitende Schwangerschaft. Mir ging es blendend und ich wollte mich nicht verrückt machen.

Leicht verunsichert bin ich abends ins Bett gegangen. Falls Wehen eintreten wüsste ich das es bald los geht und wir würden in die Klinik fahren. Ich sagte noch zu meinem Freund das ich morgen in der Klinik anrufe wenn ich immer noch Tropfen verliere.

Dienstag, der 03.11.2020 – SSW 37 + 2

Wir haben wieder ausgeschlafen und die Nacht verlief unauffällig. Doch ich spürte auch heute direkt wieder ein paar Tropfen. Egal ob ich liege oder stehe. Aber es sind eben auch nur ein paar Tropfen. 

Ich googelte noch einmal wie ich testen kann ob es sich um Urin oder Fruchtwasser handelt und komme auf den ph-Wert den ich mit Hilfe von Indikatorpapier testen kann. Je nach Verfärbung würde ich sehen ob es sich um Fruchtwasser handelt. Ich suchte all meine Schränke durch nach den ph-Streifen. Ich hatte immer welche da, doch wenn man sie braucht findet man sich natürlich nicht. Ein Klassiker. Nagut, ab zur Apotheke ph-Streifen gekauft und zu Hause getestet. Das mit dem Testen ist leichter gesagt als getan. Und das Ergebnis war nichts sagend. Es hätte beides sein können!

Im Nachhinein empfehle ich euch lieber direkt zum Arzt oder Klinik zu gehen und es abklären zu lassen!

15:30 Uhr wir packen in Ruhe die Kliniktasche fertig

Wir entschieden in Ruhe die Kliniktasche zu packen, es fehlten nur noch ein paar Dinge. Ich versuchte alles so entspannt wie möglich zu machen. Es gab keinen Grund zur Panik oder in Hektik zu verfallen. Mein Schatz unterstütze mich dabei.

16:30 Uhr wir sollen in die Klinik kommen

Nachdem ich die Kliniktasche fertig gepackt hatte rief ich in der Klinik an, schilderte kurz alles und wurde gebeten zu kommen damit es untersucht wird. Die Tasche war gepackt, wir waren fertig angezogen um zu gehen und bevor wir zur Türe raus gingen blieb ich stehen, drehte mich um und sagte zu meinem Schatz:” Ich bin gespannt ob wir das nächste Mal zu dritt nach Hause kommen”. Dann fuhren wir los.

17:15 Uhr Ankunft in der Klinik

Wir parkten und liefen zum Eingang. Die Taschen ließen wir vorerst im Auto. Vielleicht konnte ich ja wieder nach Hause. Am Eingang bekamen wir einen neuen Mundschutz und füllten beide einen kurzen Fragebogen über unseren Gesundheitszustand aufgrund von Corona aus. Dann durfte ich hoch in den Kreißsaal. Mein Freund musste in der Zeit unten warten. Das muss schlimm für ihn gewesen sein. Ich wünschte er hätte mitkommen können.

17:30 Uhr die ersten Untersuchungen im Kreißsaal

Ich wurde ganz lieb empfangen und wurde in ein Behandlungszimmer mitgenommen, wo ich ans CTG angeschlossen wurde. Wehen wurden keine geschrieben und die Herztöne meiner Kleinen waren in Ordnung. Ich bekam Wasser zu trinken und ging noch mal alles mit einer Hebamme durch. Nach circa einer halben Stunde war das CTG fertig und es ging mit einem Ultraschall weiter. Der Arzt nahm sich viel Zeit, musste aber einmal für etwa 20 Minuten weg um zwei Babys auf die Welt zu bringen.

In dem Moment wurde mir bewusst wo ich mich befand und das auch ich bald mein Baby hier auf die Welt bringen werde.

Beim Ultraschall war jedenfalls alles in Ordnung. Der Arzt sagte mir das zwar etwas wenig Fruchtwasser sichtbar war, aber das noch nicht ausschlaggebend war. Dann musste ich mich untenrum frei machen und mir wurde ein Wattestäbchen für 1 Minute eingeführt, dass anschließend in eine Testflüssigkeit kam um zu sehen wie es sich verfärbt.

Ich zog mich in der Zwischenzeit wieder an und sah zum Stäbchen rüber, das Wasser war blau. Ich wusste es ist soweit. Der Arzt sah zur Testflüssigkeit und dann zu mir und sagte:”Der Test ist positiv, es ist Fruchtwasser. Wir holen heute ihr Baby”.

In dem Moment schossen mir die Tränen in die Augen und ich versuchte mich zusammenzureißen um nicht loszuweinen. Der Arzt fügte noch hinzu das er mit dem Oberarzt absprechen muss ob der Kaiserschnitt noch am gleichen Abend oder erst am nächsten Morgen stattfindet wird, da ich Essen im Magen hatte. Ich hatte kurz vor Abfahrt noch Gnocchis gegessen 😉

In der Zwischenzeit durfte ich wieder in den ersten Behandlungsraum. Die Hebammen und die Assistenzärztin waren auch wieder sehr lieb und versuchten mich zu beruhigen. Sie merkten wie aufgelöst ich war. Ich wollte eigentlich nur meinen Freund bei mir haben. Ich hielt ihn auch die ganze Zeit auf dem Laufendem und schrieb ihm Nachrichten.

Als ich ihm schrieb das sie unser Baby holen, wollte er schnell zu mir kommen. Er machte sich auf den Weg nach oben, obwohl er noch nicht durfte und wurde dann am Eingang zum Kreißsaal von der Assistenzärztin empfangen, die ihn gerade holen wollte.

Die Tür ging auf, er kam rein und ich war so froh ihn zu sehen. Er nahm mich in den Arm und ich musste weinen. Zu wissen das ich gleich Mama werde, dass sie mein Baby raus holen, hat mich in dem Moment überfordert. Es ging einfach zu schnell, zu unerwartet.

Irgendwas zwischen 19 und 20 Uhr

Mir wurde genau erklärt was nun passieren wird und welche Vorgespräche stattfinden bevor es los gehen würde. Zunächst bekam ich das OP Hemd und musste mich umziehen. Dann wurde mir ein Zugang an der Hand gelegt, der für mich persönlich das Schlimmste bzw. Schmerzhafteste war. Ich habe große Angst vor Spritzen, Zugängen, etc. und dies war so ein Moment der nicht einfach war. Mein Freund war zum Glück die ganze Zeit bei mir und munterte mich auf.

Anschließend gab es zwei Gespräche. Einmal den Ablauf eines Kaiserschnitts und das Anästhesie Gespräch über die PDA, die Betäubung. Ich konnte alle Fragen stellen die mir noch wichtig waren und mich verunsichert haben und nach den Gesprächen war ich tatsächlich beruhigter. Ich habe viel zu sehr auf die Erfahrungsberichte im Internet gehört und weiss im Nachhinein das ich das nicht mehr machen werde. Denn nichts davon bestätigte sich.

Mein Schatz musste sich ebenfalls umziehen und bekam ein OP Outfit. Dann hatten wir ca. 30 Minuten für uns bis es los ging. Mein Schatz machte noch Fotos von mir, die letzten mit großem Bauch. Und so wie er nunmal ist, alberte er noch rum und es entstanden diese lustigen Bilder. Zum Schluss schrieben wir noch unseren Familien das es gleich los geht, dann packten wir unsere Handys weg und Die Hebammen kamen ins Zimmer um uns in den OP zu begleiten.

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Irgendwas zwischen 20:30 Uhr und 21:30 Uhr

Im OP waren überraschend viele Menschen anwesend, Hebammen, Hebammen Schülerinnen, Assistenzärzte, Anästhesisten, insgesamt 6 oder 7 Frauen die sich nacheinander um mich kümmerten und alles vorbereiteten. Allesamt super lieb und jede einzelne gab mir ein gutes Gefühl. Sie merkten alle das ich noch etwas aufgelöst war und bemühten sich sehr. Mein Freund machte immer wieder Späße und machte Stimmung im OP!

Mir wurde jeder einzelne noch so kleine Schritt erklärt der durchgeführt wurde und beschrieben was ich wahrscheinlich fühlen werde. Das gab mir eine unheimliche Sicherheit. Zudem war mein Schatz die ganze Zeit bei mir und unterstützte mich mit lieben Worten.

Es wird Zeit für die PDA

Die Ärztin begann alles für die PDA vorzubereiten. Es herrschte keine Hektik im OP, im Gegenteil, es war alles entspannt und alle waren gut gelaunt. Ich hatte Angst vor der PDA, dass kann ich ruhig aussprechen. Aber nicht weil sie mich betäubte, sondern weil ich Angst vor Spritzen habe und diese gehörte auch dazu. Ich hatte Angst Schmerzen zu spüren, den Einstich. Ich musste meinen Rücken ganz rund machen und entspannt bleiben, mein Freund saß vor mir und hielt mir beide Hände. Er erinnerte mich immer wieder daran ruhig zu atmen und ihm in die Augen zu sehen. Die Ärztin kündigte jede noch so kleine Handlung an, dann piekste es ganz ganz leicht, kaum spürbar. Das war nicht die PDA, sondern eine Betäubungsspritze, damit ich die PDA nicht spüre. Dann kam die PDA, die ich nicht spürte. Nach einigen Sekunden sagte sie: “Sie spüren jetzt vielleicht einen leichten Druck” und nach einigen Sekunden fügte sie hinzu: “Jetzt könnte es langsam wohlig warm werden am Popo”. Genau so war es auch. Ich versuchte weiterhin ruhig zu atmen, so gut es eben ging.

Dann war sie fertig und ich sollte mich nach hinten legen. Geschafft! Alles gar nicht so schlimm dachte ich mir und war super erleichtert. Ich war immer noch sehr aufgeregt und unruhig. Die Ärztin teilte mir immer wieder mit wie und was ich fühle um mich zu beruhigen. Es dauerte nicht lange und ich spürte meine Beine nicht mehr. Ein merkwürdiges Gefühl. Ich sollte 2 mal versuchen meine Füße und Beine zu bewegen. Doch es ging einfach nicht. Dann kam sie mit einem Eisspray und sprühte erst was auf meinen Arm und ich musste sagen wie es sich anfühlt und anschließend das Gleiche auf meinen rechten Bein und dann am linken Bein und ich musste auch hier sagen wie es sich anfühlt. Bis auf den Druck des Sprays fühlte ich nichts. Genau so sollte es sein.

Als alles fertig vorbereitet war, wurde der grüne Vorhang angebracht und der Arzt kam, schaute über den Vorhang um sich vorzustellen und sagte das wir beginnen. Ich hatte keine Angst, war aber immer noch aufgeregt und mein Schatz gab sein Bestes.

Ich kann nur schwer beschreiben wie es sich angefühlt hat. An meinem Bauch wurde was gemacht und manchmal etwas gedrückt, soweit ich das richtig deuten konnte. Es war weder grob noch unangenehm, sondern einfach nur spürbar. Auch hier wurde alles genau angeleitet, damit ich weiß was als nächstes passiert. Zwei bis drei mal sagte der Arzt das es jetzt etwas wackeln wird, auch das war nicht schlimm.

Es ist soweit – gleich ist mein Baby bei mir

Und dann gab es ein etwas stärkeren Druck und ich spürte wie mir was aus dem Bauch genommen wurde. Ich spürte eine Art Erleichterung im Bauch. Mein Mädchen war geboren. Sie fragten mich ob ich sie sehen möchte. “JA!” war meine Antwort. Sie nahmen den Vorhang etwas herunter und hielten mir meine Tochter hin. Da war sie, mein kleiner Schatz, meine Tochter. Ich blickte auf sie und mein Freund neben mir ebenfalls. Es war so ein Moment der für immer im Gedächtnis bleiben wird. Ich erinnere mich leider nicht mehr daran ob ich weinte oder etwas sagte. Aber das war in dem Moment egal. Ich hatte es geschafft. Wir hatten es geschafft.

Dann wurde sie kurz für ein paar Untersuchungen mitgenommen. Es dauerte nicht lange. Dann hörte ich sie das erste Mal schreien. Die Ärztin schickte meinen Freund mit zu den Untersuchungen und sagte mir auch hier was sie sah, da mir durch den OP Vorhang keine Sicht möglich war. “Der stolze Papa kommt gleich mit ihrer Tochter” sagte sie. Und dann kam mein Freund mit ihr in den Armen. Er weinte vor Freude und strahlte so viel Liebe und Glück aus. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Dieses wunderschöne Wesen und das Gefühl ist einfach unbeschreiblich. Dann legte mein Freund siezu mir. Da lagen wir nun, unsere kleine Leo Sophie, Kopf an Kopf mit Mama und Papa, ganz nah. Ich streichte ihr über das Gesicht und schaute sie einfach nur an. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Ich war sprachlos und überwältigt.

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Sie durfte so lange bei uns liegen bleiben bis ich fertig mit der OP war, denn in der Zwischenzeit wurde ich zugenäht. Davon bekam ich nichts mit, ich war so verzaubert von ihr. Sie schrie nicht, lag nur friedlich bei uns und blickte mich an.

Als der Arzt fertig war wurde ich in mein Bett gehoben, meine Tochter lagen sie mir auf die Brust und wir wurden in ein Zimmer geschoben. Nun hatten wir Zeit um zu kuscheln. Wir konnten unser Glück nicht fassen. Wir hatten insgesamt 5 Stunden für uns. Nur mein Freund, meine Tochter und ich. Ab und zu kam eine Hebamme zu uns um Puls und Atmung von Leo zu testen. Noch waren wir im Kreißsaal, sobald der Raum aber besetzt werden würde, müsste ich auf die Station und das würde bedeuten das mein Freund nicht mit darf.

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Die Stunden vergingen wie im Flug, aber es war so schön und mein Freund und ich waren einfach nur glücklich. Glücklich es geschafft zu haben. Glücklich unsere Tochter im Arm zu halten. Dann ging es auf die Station. Mit meiner Tochter auf der Brust wurde ich im Bett auf mein Zimmer gebracht…

Unsere Tochter Leo Sophie wurde am 3. November 2020 um 22:17 Uhr auf die Welt gebracht. Drei Wochen früher als geplant. Sie wog 2950g und war ganze 53cm groß, sie ist kerngesund und wunderschön.

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5 Comments

  • Reply Beckenendlage (BEL), Wehen und Corona - Diese Mary 18/11/2020 at 17:50

    […] Hier gehts zu meinem Geburtsbericht […]

  • Reply Rebecca 18/11/2020 at 19:25

    Oh Mary, ich freu mich einfach so unfassbar für euch!
    Habe gerade deinen Bericht gelesen – du hast ihn so gut geschrieben, ich hab jetzt Tränen in den Augen…
    Alles Liebe und Gute euch drei!

    • Reply Wagner 19/11/2020 at 9:31

      Vielen lieben Dank liebe Rebecca =)

  • Reply Isabel 19/11/2020 at 9:39

    Vielen, vielen Dank für diesen schönen und kraftvollen Geburtsbericht. Er macht einem wirklich Mut – vor allem zum Thema Kaiserschnitt.

    Ich wünsche euch eine wundervolle Zeit

    • Reply Wagner 19/11/2020 at 9:48

      Danke dir liebe Isabel ♥
      Es kommt auch noch ein extra Beitrag zum Thema Kaiserschnitt. Ich finde es wichtig die Angst zu nehmen. Denn ein Kaiserschnitt heißt nicht automatisch dass es eine schlimme Geburt sein muss, im Gegenteil ♥

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